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Die Nieren

Jedes Jahr werden 150 bis 200 Kinder in Deutschland so schwer nierenkrank, dass die Funktion ihrer Nieren nicht mehr ausreicht. Das nennt man terminales (endgültiges) Nierenversagen. Bei den meisten Kinder tritt die Nierenerkrankung nicht plötzlich auf, sondern schreitet bis zum endgültigen Versagen langsam fort. Erkrankt sind dann beide Nieren. Manche dieser Erkrankungen beginnen schon vor der Geburt und können mit Ultraschall festgestellt werden.

Eine Nierenerkrankung kann im ganzen Kindes- und Jugendalter dazu führen, dass eine Dialysebehandlung oder Nierentransplantation die Funktion der eigenen Nieren ersetzen muss. Schon vorher sind Teilfunktionen der Nieren zunehmend eingeschränkt und behindern den Stoffwechsel. Eine möglichst frühe medizinische Überwachung und Behandlung durch Spezialisten (Kindernephrologen) in einem Kindernierenzentrum ist notwendig.

Am besten wäre es, das Kind oder den Jugendlichen schon zu transplantieren, bevor es an die Dialyse muss. Aus verschiedenen Gründen stehen bei uns nicht genügend passende Transplantatnieren zur Verfügung. Anders als bei anderen Organen kann die Wartezeit glücklicherweise mit der Dialyse überbrückt werden. Allerdings kann die Dialysebehandlung die eigene Nierenfunktion nicht wirklich ersetzen.

Gesunde Nieren

Nieren sind nicht einfach für die Ausscheidung von Wasser und Stoffwechselabbaustoffen erforderlich. Sie bestehen aus jeweils bis zu einer halben Million kleiner Funktionseinheiten (Nephrone), die, gesteuert durch Hormone, die Feinregelung des Salz-, Säure- und Wasserhaushaltes überwachen. Der gut funktionierende Salzhaushalt ist eine Grundlage für den ganzen Stoffwechsel, unter anderem die Wirkung des Wachstumshormons. Unsere Nieren aktivieren die Vorstufen von Vitamin D. Sie bilden auch das Hormon Erythropoetin (EPO), welches die Bildung roter Blutkörperchen fördert. Andere Hormone der Nieren sind verantwortlich für die Steuerung des Blutdruckes.
So sind die Nieren in mehrfacher Weise dafür zuständig, dass alle Kinder wachsen und gedeihen können.

Kranke Nieren

Alle Funktionen der Nieren nehmen bei einer chronischen Nierenerkrankung ab. Die Kinder können weniger belastbar, müde, appetitlos oder auch ungewöhnlich blass sein (Anämie). Eindeutige Krankheitszeichen treten oft erst spät auf. Manche Kinder lagern Wasser ein, andere scheiden seit der Geburt übermäßig Urin aus und sind immer durstig. Ein Bluthochdruck kann ihnen Kopfschmerzen bereiten. Kleinwuchs mit Knochenschmerzen ist auch ein spätes Krankheitszeichen. Vieles kann und muss bei abnehmender Nierenfunktion rechtzeitig getan werden, um die Nieren bei ihren Aufgaben zu unterstützen.

Es ist wichtig, die Ernährung kindgerecht anzupassen. Medikamente helfen, den Salz-, Wasser- und Säurehaushalt zu stützen. Die Behandlung mit Vitamin D und Wachstumshormon stabilisiert den Stoffwechsel der Knochen und bewirkt, dass das Kind besser wächst.

Dialyse – zeitraubende Behandlung

Früher oder später kommt dann aber doch der Tag, an dem die eigenen Nieren, trotz aller Bemühungen, nicht mehr ausreichend arbeiten. Bereits vorher gilt es Kind und Familie auf die Belastungen einer Dialysebehandlung vorzubereiten Die vielen bekannte Hämodialyse muss mindestens dreimal in der Woche für mindestens vier Stunden unter genauer Überwachung im Kinderdialysezentrum stattfinden. Nur dort gibt es ein mit den vielen Besonderheiten der Dialyse bei Kindern vertrautes und erfahrenes Behandlungsteam. Für die Hämodialyse wird bei Kindern häufig ein spezieller Katheter vom Hals aus, in einem Tunnel unter der Haut, in die obere Hohlvene dauerhaft eingelegt.

Demgegenüber wird bei der Bauchfelldialyse der Katheter in die Bauchhöhle eingesetzt. Man kannlässt man durch ihn mehrmals täglich „saubere“ zucker- und salzhaltige Dialyselösung einlaufen. Diese nimmt durch das Bauchfell Abfallstoffe auf und wird Stunden später „schmutzig“ wieder abgelassen. Das machen nach gründlicher Schulung die Eltern daheim, sodass sie mit dem Kind dann nur noch ein- oder zweimal im Monat zur Untersuchung und Bestimmung der Blutwerte ins Kinderdialysezentrum kommen müssen. Weil diese Dialyseform, anders als die Hämodialyse, durchgehend und nicht nur jeden zweiten Tag gemacht wird, schwanken die Blutwerte geringer und sind die Ernährungsregeln nicht so streng. Für kleine Kinder kommt nur diese Dialyseform infrage.

Bei der Entscheidung, welches das beste Dialyseverfahren für ein bestimmtes Kind ist, spielen – neben den entscheidenden medizinischen Gesichtspunkten – die Entfernung des Wohnortes vom Kinderdialysezentrum, die familiären Umstände und bei größeren Kindern auch der eigene Wunsch eine Rolle.

Nierentransplantation – ein Neustart

Ziel der Behandlung eines jeden Kindes mit endgültigem Nierenversagen ist die Nierentransplantation. Die Dialyse ist zwar lebenserhaltend, hat aber insbesondere für Kinder große Nachteile. Nur eine geglückte Transplantation ermöglicht ein fast normales Aufwachsen. Patienten, die auf ein Spenderorgan warten, leiden unter dem mangelnden Angebot. Insbesondere Kinder und Jugendliche, obwohl bei der Zuteilung bevorzugt, warten deshalb immer noch viel zu lange auf eine neue Niere.

Deswegen wird vorher immer auch überlegt, ob nicht ein Familienmitglied bereit und auch so gesund ist, eine Niere zu spenden. Der Anteil der Lebendspenden ist in letzten Jahren auch in Münster stetig größer geworden. Der große Vorteil daran ist, dass die Transplantation geplant durchgeführt werden kann, bevor die Dialyse notwendig ist.

Ist dann die Nierentransplantation gelungen und das neue Organ arbeitet gut, geht es rasch aufwärts. Die Nierenwerte fallen schnell ab. Das Kind fühlt sich besser und hat nach einigen Wochen wieder Zeit für Schule, Freunde, Sport und andere Interessen.

Die unbedingt zuverlässig einzunehmenden Medikamente gegen die Abstoßung, gegen den oft erhöhten Blutdruck und andere Folgen der Transplantation, erinnern aber täglich daran, dass völlige Gesundheit nicht erreicht werden wird. Das ist gerade für Jugendliche, wenn sie darüber nachdenken, schwer zu ertragen. Und dann bleibt neben der Sorge um eine Abstoßung das Wissen, dass die „Lebenserwartung“ einer transplantierten Niere meistens kürzer ist als die Lebenserwartung eines Kindes oder Jugendlichen.

Ein einmal terminal nierenkrank gewordener Mensch wird lebenslang nicht wieder ganz gesund.